Mit dem Velo auf der Autobahn

Es ist so eine Sache mit mir und dem Strassenverkehr. Wir verstehen uns nicht so gut. Oder ich versteh mich nicht so gut mit ihm. Wie er zu mir steht, weiss ich nicht so recht. Wahrscheinlich fasst er sich nur ab und zu an den Kopf.

Da ich Angst um mein Leben (und um das aller anderer Verkehrsteilnehmer) habe, bin ich vom Auto aufs Velo umgestiegen. Nicht, dass ich jemals regelmässig Auto gefahren wäre. Aber irgendwie hat mich der Kommentar meines Fahrprüfers nach der sehr überraschend bestandenen Autoprüfung etwas verunsichert: „Ich druck emal beidi Auge zue – hättsch defür mal Lust uf en Drink?“.

Wie einfach Männer ticken, da lächelt man einmal etwas netter und schon hat man einen Führerschein in der Hand. Anderes Thema.

Auf jeden Fall habe ich mich spätestens nach dem Aquaplanning ca. 2 Wochen nach der Autoprüfung - zum Glück nur ein Kratzer vorne am Auto an dem Dings, wo die Autonummer befestigt ist (Ja, auch Autovokabular gehört nicht zu meinen Stärken), gegen das Autofahren entschieden.

Zu meiner eigenen Sicherheit. Das Velo tuts auch. Und vor allem ist es rosa. Doch auch mit dem Velo habe ich ab und zu meine Mühe. Ich bin nämlich viel lieber auf dem Trottoir unterwegs – viiiiel sicherer! Man steckt zwar ab und zu ein paar böse Blicke von Fussgängern ein und wenn die Polizei vorbeifährt muss man gaaaanz unauffällig vom Velo steigen, aber trotzdem scheint mir Velofahren auf dem Trottoir etwas angenehmer.

Ich hatte aber tatsächlich 1-2 mutigere Momente. Zum Beispiel damals, als ich alleine ins Freibad radeln wollte. Natürlich über eine vielbefahrene Hauptstrasse. Ganz mutig fuhr ich auf der rechten Strassenseite – ja auf der Strasse – aber spätestens als der riesen Laster mit einem 80iger an mir vorbeiraste, war es vorbei. Panikattacke ahoi! Ich bin doch nicht Lebensmüde!

Einen anderen mutigen Moment hatte ich an einem weiteren Sommertag. Tipp von einer guten Freundin: Am Fluss ist es viel schöner zum „sünnele“. Na gut – Sommerröckli an, Google Maps in der rechten Hand und ab auf’s rosa Velo. Ich radelte selbstbewusst auf der Strasse – die andern schaffens ja auch, dann kann ich das wohl auch! Fast. Denn Google Maps meinte es doch nicht so gut mit mir. Oder vielleicht etwas zu gut. Denn plötzlich kurbelte ein netter Herr im Auto nebenan die Scheibe runter und meinte etwas schockiert: „Sie – da dörfed si nöd Velofahre – da gahts ufd Autobahn!“

Panikattacke zum zweiten! Da stehe ich also. Mit meinem Summerröckli auf meinem rosa Velo auf der Autobahneinfahrt! Himmel Maria und Joseph – was nun?! Alles was mir einfiel war mich auf dem kleinen Grasfleck neben der Strasse zu retten. Ich stand da also auf dem Grasfleck neben der Autobahneinfahrt und stand da und stand und stand. Die Autos rasten mit einem 80iger an mir vorbei und waren daran auf 100 zu beschleunigen. (Hatten aber vorher natürlich noch Zeit mir zu zu hupen oder aus dem Fenster zu pfeifen. Wo wir wieder beim Thema Männer wären. Anderes Thema.)

Jedenfalls schien mir nach einiger Zeit die Lösung, das Velo auf dem Gras zurückzustossen, am sichersten. Und das tat ich auch. Ich stosste das Velo auf dem Gras zurück. Neben der Autobahneinfahrt. Im Summerröckli.

Heute fahre ich Bus.